Ein unangenehmes Thema: die Kündigungsentscheidung

Ralf Mathiesen Blog

Bis zur Entscheidung, einem Mitarbeiter* zu kündigen, zermartern sich viele Unternehmer* den Kopf. Deshalb möchte ich Ihnen nachfolgend einen Leitfaden mit den wichtigsten Fragen anbieten, die Sie sich dazu stellen sollten, wenn Sie akut mit einem Mitarbeiter unzufrieden sind.

1. Die wichtigste Frage: was passiert, wenn der Mitarbeiter bleibt?

Stellen Sie sich vor, dass dieser Mitarbeiter in Ihrer Firma bis zum Renteneintritt bleibt:

  • Was wird Sie das an Gehalt und Lohnnebenkosten kosten und was für einen Gegenwert wird Ihnen der Mitarbeiter wohl in der Zeit bieten?
  • Was für eine Auswirkung hat sein Bleiben auf die anderen Mitarbeiter? Diese haben ein feines Gespür, wenn jemand „nicht passt“ oder mit den Aufgaben überfordert ist. Die Mitarbeiter schauen auf Sie: lassen Sie das durchgehen? Dann wird sich der eine oder andere fragen, warum er so gute Leistung bringt, wenn andere damit durchkommen, weniger zu leisten. Das kann das Leistungsniveau der ganzen Firma herunterziehen.
  • Wäre es einen Versuch wert, durch Training/Coaching die Leistung zu verbessern?
  • Gäbe es einen anderen Arbeitsplatz, auf den der Mitarbeiter besser passt und der verfügbar wäre?
2. Was passiert in der Firma, wenn ich ihn kündige?

Was werden die verbliebenen Mitarbeiter dazu sagen:

  • Wird das Ausscheiden des Mitarbeiters als Gewinn oder Verlust aufgenommen werden?
  • Gibt es Mitarbeiter, die die Trennung emotional nicht nachvollziehen können und mit denen Sie dann ggfs. zeitnah sprechen müssen?
  • Planen Sie den Zeitpunkt der Kündigung so, dass Sie diese Gespräche am besten unmittelbar nach dem Kündigungsgespräch führen können. Es ist wichtig, dass der Ablauf zu Ihrer Unternehmenskultur passt und bei den übrigen Mitarbeitern keine Angst entsteht („Bin ich der Nächste?“). Das ist für weitere Einstellungen wie der Nachbesetzung und auch für das Verbleiben der übrigen Mitarbeiter in der Firma wichtig.

Was für weitere Auswirkungen hat das:

  • Ist die Nachbesetzung der Stelle 1:1 die richtige Entscheidung oder ergeben sich Spielräume zu einer Umorganisation, mit der Sie positive Effekte gestalten können?
  • Wie lange wird es dauern, die offene Stelle nach zu besetzen und wie wollen Sie vorgehen, damit es keine Verluste gibt, während die Stelle unbesetzt ist?

Sprechen Sie vorsichtshalber auch mit einem Anwalt für Arbeitsrecht, der Ihnen den Rahmen für evtl. Abfindungen definieren und Sie zum juristisch sicheren Vorgehen beraten kann.

3. Wie geht es mir damit, wenn ich es tue?

Haben Sie den Mitarbeiter eingestellt?
Dann bedeutet das für Sie, dass Sie die Fehlentscheidung, die Sie bei der Einstellung des Mitarbeiters gemacht haben, korrigieren müssen.
Diese gilt es, ehrlich zu analysieren, um daraus zu lernen.

Am Ende steht Ihre Entscheidung: es zu tun oder nicht. Das alte Sprichwort „lieber ein Ende mit Schrecken als ein Schrecken ohne Ende“ trifft oft zu. In meinem beruflichen Alltag erlebe ich, dass eher zu lang mit dem Unvermeidlichen gewartet wird. Ein idealer Weg zu Handlungssicherheit ist natürlich auch die Erörterung des konkreten Falls in Ihrem Unternehmerboard.

Übrigens hatte ich in meinem Blog vom September 2016 das Thema „So kündigen Sie mit Fingerspitzengefühl“ ausgeführt, d.h. wenn Sie bereits einen Schritt weiter sind und die Entscheidung bereits getroffen haben.

*Es ist immer sowohl die männliche und die weibliche Form gemeint.

Autor: Ralf Mathiesen / TAB Berlin-City