Home Office auf dem Prüfstand oder: Corona macht dick

TAB The Alternative Board Blog

Die neuen Abläufe sind in den letzten Monaten schnell normal geworden. Einstige Skeptiker gegenüber Arbeit von Zuhause haben ihre Meinung geändert. Bei Home Office als langfristige Option geht es aber um mehr als rein technische oder organisatorische Fragen, nämlich: Wie verändern Home Office und mobiles Arbeiten unsere Unternehmenskultur? 

Diese Frage stellten sich UnternehmerInnen in einem meiner TAB-Boards im August beim Boardmeeting in Dresden. Denn, wie wir das Thema „Mobiles Arbeiten“ in den einzelnen Unternehmen organisieren, darüber wird schon viel gesprochen. Wem vertrauen wir so weit, dass wir ihr oder ihm Home Office erlauben? Für welche Arten von Arbeit ist es denkbar? Welche Fragen bewegen uns im Bezug auf Datenschutz dabei? Über all das denken wir nach – auch darüber, wie die Arbeitsplätze zu Hause aussehen müssen, damit das Home Office funktioniert. 

Welche Weichen müssen jetzt gestellt werden? 

Was uns nun im Meeting bewegt hat, ist die Frage: Wie verändert sich langfristig unsere Unternehmenskultur, wenn Home Office als Option bestehen bleibt? Denn das ist heute bereits abzusehen. Oder besser noch: Wie müssen wir unsere Unternehmenskultur anpassen und verändern, damit sie das Arbeiten an einem anderen Ort als dem Unternehmen einbezieht? Welche Weichen müssen wir dafür jetzt stellen, wenn wir Fehler oder den Verlust von Kultur und damit der Bindung der MitarbeiterInnen an unser Unternehmen vermeiden wollen?

Pro’s und Con’s zu Home Office

Es gibt eine Menge Pluspunkte, die für Home Office sprechen. Beim näheren Hinsehen entpuppen sie sich auch als Risiken oder zumindest wichtige Punkte, die unsere Aufmerksamkeit erfordern. Einige Beispiele:

>> Wir können uns den Arbeitsweg sparen. 

  • Das klingt gut und nach Ersparnis von Zeit, Benzin und Geld. Ein Pluspunkt für uns und die Umwelt.
  • Gleichzeitig bewegen wir uns weniger. Eine gute Figur behalten, ist für manche Menschen in Zeiten von Home Office zur Herausforderung geworden.
  • Das heißt: Mehr Bequemlichkeit ist nicht aus jedem Blickwinkel ein Vorteil. 

>> Wir werden nicht so oft in unserer Arbeit gestört oder unterbrochen und können uns besser konzentrieren. 

  • Damit sind wir effizienter. Das verschafft uns mehr Freizeit.
  • Gleichzeitig fehlt es uns an Austausch mit den KollegInnen. Arbeit braucht Kommunikation, Input, Output, menschliche Aspekte. 
  • Oder wir wissen gar nichts mit unserer freien Zeit anzufangen, weil wir immer viel und gern gearbeitet haben und deshalb wenige Hobbies pflegen?

>> Unternehmen müssen weniger Arbeitsplätze bereitstellen. Jeder nutzt einfach ab und zu den Schreibtisch für alle und einen Firmenlaptop. 

  • Das spart Platz, Miete, Firmenwagen – ein echter Pluspunkt, der sparen hilft.
  • Ja, aber komme ich noch gern zur Arbeit, wenn mir dort kein Platz gehört, wenn ich einer von vielen bin, nirgends meine „sieben Sachen“ liegen lassen kann?

>> Vertrieb oder Meetings funktionieren auch digital sehr gut. Sie laufen sogar wesentlich strukturierter und zeitsparend ab. Vertriebler z. B. verbringen viel weniger Zeit auf Autobahnen, in Flugzeugen und Hotels. 

  • Das verschafft Raum für strategische Themen, Recherche etc.
  • Ja, aber wo bleibt das ganz Persönliche, das Individuelle in einer Kundenbeziehung? Wie kann ich mich digital von anderen Anbietern abheben, wo doch letztlich alle Kaufentscheidungen ganz wesentlich aus dem Bauch getroffen werden?

Wir könnten noch viele Punkte aufzählen, die Home Office attraktiv machen. Die negativen Seiten bleiben. Und diese geben uns Aufschluss darüber, welche Maßnahmen wir ergreifen können, um einen Schaden in der Unternehmenskultur zu verhindern. 

Unternehmenskultur mit den neuen Bedingungen abgleichen

Einer der Wege, die zum Ziel führen können: Die bisherige Unternehmenskultur einmal hernehmen, alle Säulen und Einzelmaßnahmen betrachten und mit den neuen Bedingungen abgleichen. 

  1. Wie gestalte ich die sonst üblichen Events bei Personenzahl-Beschränkungen und Abstandsregeln? 
  2. Was biete ich denjenigen an, die keine Freizeit wollen? 
  3. Wie gestalte ich Kundenbeziehungen emotional und persönlich ohne direkten Kontakt? 
  4. Wie gestalte ich wechselnde Arbeitsplätze so, dass jeder den Eindruck hat, es ist der eigene, auch wenn zeitweise andere daran arbeiten? 
  5. Wie schaffe ich Möglichkeiten für Austausch unter den KollegInnen, wenn die Kaffeeküche zu ist? 
  6. Wie sorge ich dafür, dass sich die MitarbeiterInnen auch zu Hause ausreichend bewegen?
  7. Was muss ich regeln, was überlasse ich dem Zufall oder dem gesunden Menschenverstand?
  8. Welche Rolle spielen Unternehmensvision, Werte und Mission in den Köpfen der Mitarbeiter? Wie kriege ich diese an die heimischen Arbeitsplätze in Küche, Wohnzimmer oder Keller transportiert?
  9. Können sich meine Mitarbeiter zu Hause eigentlich selbst organisieren?
  10. Welche neue Rolle spielen Soft Skills wie Ehrlichkeit und Verbindlichkeit?
Eigene Einstellung zu Home Office auf den Prüfstand stellen

Bevor die Kultur Schiffbruch erleidet, ist es sinnvoll, sich diese Fragen zu stellen. Und: Home Office und mobiles Arbeiten an sich bleibt mit Sicherheit immer ein Pluspunkt. Wenn ich einmal nicht zur Arbeit gehen kann – aus welchen Gründen auch immer – und kann dann unkompliziert von zu Hause oder von irgendwo auf diesem Planeten arbeiten, werde ich die Möglichkeit von Home Office und den dazugehörigen Arbeitgeber unbedingt zu schätzen wissen. Das war unser Mindset vor Corona, und das kann es auch für die Zukunft bleiben.

Autorin:  Anne Pietag, TAB Dresden

 

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