5 Sofortmaßnahmen gegen Arbeitskräftemangel im eigenen Unternehmen

TAB The Alternative Board Blog

In vielen Regionen gibt es augenblicklich keine oder sehr wenige  Menschen, die dem Arbeitsmarkt zur Verfügung stehen. In diesem Beitrag geht es um konkrete Sofortmaßnahmen, wie bisher noch nicht im Fokus stehende Zielgruppen für das eigene Unternehmen als Fachkräfte angesprochen werden können. 

Der volkswirtschaftliche „Schaden“ des Arbeitskräfte- bzw. Fachkräftemangels, in Form reduzierter Wirtschaftsleistung, wird laut Institut der Wirtschaft  bis zu 30 Milliarden Euro betragen. 60 Prozent aller Betriebe bewerten den Fachkräftemangel als größtes Geschäftsrisiko. Diese Bestandsaufnahme  müsste eigentlich Anlass für Politik, Industrie, Handwerk und andere Organisationen sein, hier sofort umsetzbare Maßnahmen und Lösungen zu schaffen. Dabei muss man sicherlich zwischen „Büroberufen“, Pflegeberufen und Produktions-und handwerklichen Berufen unterscheiden.

Endlich mal neu denken: wer kommt noch in Frage?

Wenn dieser Druck also so hoch ist, müssen Arbeitgeber auch neue Wege der Arbeitskräftebeschaffung gehen. Der Ansatz hierfür könnte sein, sich auf Gruppen von Menschen einzulassen, die regelmäßig  nicht im Focus der suchenden Arbeitgeber stehen, wie z.B.:

  1. Langzeit-Arbeitslose  
  2. Die sogenannten  Alten ( Ü 50)
  3. Personen mit Behinderungen
  4. Jugendliche, die durchs Raster gefallen sind   
  5. Geflüchtete

Bei diesen Gruppen ist oft unklar, wie und wo eine passende Ansprache erfolgen kann. Daher im Folgenden hier meine Tipps aus der Praxis:

1. Langzeitarbeitslose zu Mitarbeitern machen

Die  Zahl der Langzeitarbeitslosen in Deutschland hat sich bei ca. 1 Million eingependelt. Ansprechpartner sind die jeweiligen lokalen Arbeitsagenturen. In Frankfurt gibt es z.B. seit kurzem eine Hotline für interessierte Firmen. (Tel: 069 59769262). Die jeweiligen Industrie- und Handels- bzw. Handwerkskammern können ebenfalls weiterhelfen.

2. Die sogenannten Alten – Ü 50: unwillig und krank?

Diesem Vorurteil steht die Tatsache gegenüber, dass viele extrem gut ausgebildete und erfahrene Menschen bis 67 oder länger arbeiten müssen. Und Untersuchungen zeigen, dass sehr viele dies auch wollen. Viele Betriebe haben begonnen, diese Mitarbeiter an sich zu binden. Auch hier zeigt sich, dass neue Formen der Arbeitszeit (Teilzeit, Home Office u.ä.) beiden Seiten entgegenkommen. Ein regelmäßig nicht bedachtes Element ist auch die mögliche Rolle als Mentor,um neuen, jüngeren Mitarbeitern die Einarbeitung zu vereinfachen.

Wer diese Gruppe erreichen möchte, kann sich z. B  bei www.masterhora.de oder bei Ihre Marktnische einen guten Überblick verschaffen. Die Unternehmerbefragung von TAB-mit dem Titel Altes Eisen oder Tafelsilber  hat  übrigens deutlich gemacht, dass diese Mitarbeitergruppe  bei Unternehmern hoch im Kurs steht

3. Personen mit Beeinträchtigungen und Behinderungen

Diese Menschen stehen vielen Vorurteilen gegenüber, die eine Eingliederung in Betriebe  – direkt oder ausgelagert in geschützten Betrieben – erschwert. Die Unkenntnis dieser Möglichkeiten ist noch das einfachste Vorurteil.

Auf der letzten Mitgliederversammlung des Verbandes der Chemischen Industrie im September 2018 wurde ein Berliner Chemiebetrieb im Rahmen von Responsible Care der UN  (Ziel: Menschenwürdige Arbeit und Wirtschaftswachstum) dafür ausgezeichnet, dass er in einem „geschützten Bereich“ behinderten Menschen seit Jahrzehnten wertschöpfende Arbeit ermöglicht. Der eindrucksvolle Film zu diesem und anderen Preisträgern kann über www.vci.de (Responsible Care Preisträger) abgerufen werden. Wenn das in einem Betrieb der Chemischen Industrie möglich ist, so sollte dies in vielen anderen Bereichen auch einzurichten sein.

Die Landeswohlfahrtsverbände bieten hier die notwendigen Informationen für interessierte Arbeitgeber. Dort findet man auch Hinweise auf andere Formen der Beschäftigung. Weitere Informationen dazu finden Sie außerdem im Blogbeitrag meines Berliner Kollegen Ralf Mathiesen  „Mitarbeiter mit Behinderungen einstellen – warum nicht?“

4. Jugendliche, die durchs Raster gefallen sind  

Dieser Personenkreis umfasste nach einer kürzlich durchgeführten Studie eine Gruppe von ca. 1,25 Millionen Menschen im Alter von 18-25 Jahren. Auch diese Gruppe sieht sich vielfältigen Vorurteilen ausgesetzt. Auch hier ist der Zugang zu dieser heterogenen Gruppe nicht einfach.

Es gibt  seit ca. zehn Jahren eine gemeinnützige Organisation, die sich dieser Gruppe verschrieben hat: Die Joblinge gAG. Deutschlandweit kümmert sich diese Organisation darum, Jugendliche für den Arbeits- und Ausbildungsmarkt fit zu machen  und dadurch ein eigenständiges Leben außerhalb von staatlichen Unterstützungssystemen zu ermöglichen.

Eine wichtige Säule des Erfolgs ist das sehr effektive “Eins-zu-Eins Mentoring”, das ich aus eigener Erfahrung kenne. Durch verschiedene Gruppen wie „Standard“, MINT (Bezug zu Naturwissenschaften) Kompass (für Geflüchtete)  gibt es verschiedene Möglichkeiten für die Jugendlichen, ihre Talente zu testen.

5. Geflüchtete

Arbeitgeber, die bereit sind, sich wegen des Bedarfes an Arbeitnehmern für Ihren Betrieb Neues auszuprobieren, werden hier fündig. Auch hier ist die Organisation Joblinge ein guter Einstieg dafür; aber auch Kammern, und ehrenamtliche Organisationen sowie staatliche Einrichtungen sind wertvolle Ansprechpartner.

Feedback

Wie sind Ihre Erfahrungen? Über Feedback zu den einzelnen Vorschlägen würde ich mich freuen!

Autor: Dr. Thomas W. Büttner, TAB Frankfurt –West, tbuettner@tabdeutschland.de