Wertschöpfung durch Wertschätzung

TAB The Alternative Board Blog

Inwieweit ist Wertschätzung ein Produktivitätsfaktor für Unternehmen?  Dies wird momentan intensiv diskutiert. Anlass dafür ist dabei weniger die Tatsache, dass die Ergebnisse der unzähligen Studien der letzten 25 Jahre aus der Forschung endlich in der Betriebspraxis angekommen sind. Der Anlass der aktuellen Diskussion liegt im Wandel der Arbeit selbst.

Das Thema Wertschätzung ist eigentlich ein alter Hut

Bei Mittelständlern und kleineren Handwerksunternehmen war der wertschätzende Umgang mit den Beschäftigten in noch viel stärkerem Maße als in großen Unternehmen die Voraussetzung für ihren wirtschaftlichen Erfolg. Die Geschichte vom Handwerksmeister, der auch die Probleme der Kinder und Ehepartner seiner Beschäftigten kennt und sich darum kümmert, ist kein Mythos sondern auch heute noch oft praktizierter Alltag. Es ist kein Zufall und auch keine kurzatmige Modeerscheinung, dass gerade jetzt die Bedeutung der Wertschätzung von Mitarbeitern wieder stärker diskutiert wird. Auslöser dieser Diskussion sind im Wesentlichen zwei Entwicklungen:

  1. Die höheren  Anforderungen der sich ändernden Wirtschaft an die fachliche  Qualifikation der Mitarbeiter,
  2. Und die sich ständig beschleunigende Arbeitswelt.
Mitarbeiter sind Schlüssel zu neuem Wissen

Der Umgang mit Daten, Informationen und vor allem Wissen erhält mehr und mehr die Schlüsselrolle in unserer Arbeitswelt. So wandeln sich die Beschäftigten eines Unternehmens mehr und mehr zu sogenannten Wissensarbeitern, die  mit dieser Flut an neuen Daten und Wissen umgehen müssen. Das setzt Flexibilität und Lernbereitschaft der Mitarbeiter voraus. Und was wissenschaftliche Untersuchungen bestätigen, wissen wir schon längst aus der Praxis: Wissensarbeiter sind dann leistungsbereit, wenn sie wertschätzend behandelt werden.

Wertschätzung geht nur mit Vertrauen

Wertschätzende Behandlung bedeutet aber nicht nur wertschätzende Behandlung des Einzelnen. Es bedeutet immer auch eine Vertrauenskultur. Die Art des Umgangs miteinander, die Handlungsmuster und Wertesysteme, die sich in der Geschichte des Unternehmens herausgebildet haben, beschreiben die Qualität der Vertrauenskultur. Unternehmen, die den wertschätzenden Umgang fördern und eine Vertrauenskultur schaffen steigern ihre Attraktivität und werden Wissensarbeiter anziehen. Und sie werden dann auch langfristig wirtschaftlich erfolgreich sein.

Schnelllebigkeit und Wertschätzung – ein Widerspruch?

Parallel zur Tendenz der zunehmenden Bedeutung einer Vertrauenskultur in Unternehmen, ist die Tendenz zu erkennen, dass Arbeit intensiviert, verdichtet und “entgrenzt” wird. Globalisierte Märkte, Kapitalstrategien und Unternehmenspolitiken verstärken den Kostensenkungsdruck enorm. Die Welt um uns herum wird zunehmend hektischer, die Lebenszyklen von Produkten immer kürzer und unsere Zeit immer schnelllebiger. Dies gilt in einem besonderen Maße für die Arbeitswelt. Und viele Unternehmen reagieren hektisch auf die gesteigerten Drehzahlen der Umwelt. Nicht selten entsteht ein orientierungsloser Aktivitätswahn im Unternehmen, der eher die Leistungsbereitschaft der Wissensarbeiter bremst als sie zu fördern.

Orientierungslosigkeit führt zu Werteverfall

Die damit verbundene Orientierungslosigkeit deutet auch immer auf einen Verfall der Werte im Unternehmen hin. Was heute richtig war, kann morgen schon falsch sein. Diese Hektik zerstört auch das soziale Klima in den Unternehmen und erzeugt eine Unternehmenskultur, die eher durch Rückzug  – Stichwort “innere Kündigung” – und Misstrauen gekennzeichnet ist. Statt – wie in der Wissensökonomie zunehmend erforderlich – gerade die Menschen und die sozialen Beziehungen durch eine hochwertige Vertrauenskultur zu fördern und zu pflegen, werden oftmals Motivation und Vertrauensbeziehungen durch ein Nachlassen der Wertschätzung gegenüber dem  Mitarbeiter und durch die fehlende Anerkennung der von ihm geleisteten Arbeit erheblich geschädigt.

Persönliche Wertschätzung und eine Vertrauenskultur machen erfolgreich

Erfolgreiche Unternehmen – vor allem im Mittelstand und kleine Unternehmen –  belegen, wie die Wissensökonomie eine qualitativ hochwertige Vertrauenskultur zu nachhaltigem wirtschaftlichen Erfolg führt. Hier finden sich die in der Praxis bewährten Erfolgsmodelle für eine auf Wertschätzung basierten Unternehmenskultur.

Nur wer Wissen teilt und verantwortungsvoll mit dem Wissen und wertschätzend mit den Menschen umgeht, wird auch langfristig wirtschaftlich erfolgreich sein. TAB® Unternehmerboards sind ein Ergebnis der neuen Wissensökonomie.  Auf gegenseitiger und vertrauensvoller Wertschätzung basiert auch hier der Austausch unter gleichgesinnten Unternehmern. Und die Vertrauenskultur ist auch hier die Voraussetzung für wirtschaftlichen Erfolg nicht nur eines, sondern aller Mitglieder.

Autor: Uwe Möllnitz, TAB Lübeck