Wettbewerbsvorteil CO2-neutrales Unternehmen

TAB The Alternative Board Blog

Sorglos in den Abgrund? Ein Unternehmer aus Dresden sagt “Nein”. Was wir Unternehmer heute konkret für den Klimaschutz tun können. Was es kostet und was es für das Unternehmen bringt. Die Wenzel Prager Bierstuben aus Dresden machen es vor.

Die Rahmenbedingungen

Die Begrenzung der globalen Erwärmung auf weniger als 2°C erfordert, dass wir endlich viel entschlossener handeln als bisher. Die Zeit läuft uns davon. Dabei geht es um weit mehr, als die Umweltdimension des Klimas. Erforderlich ist ebenso die Umsetzung der UN-Nachhaltigkeitsziele (Agenda 2030) und damit die Erfüllung der Entwicklungsanliegen der Nicht-Industrieländer – dies bei anhaltend stark wachsender Weltbevölkerung.

Mehr Einsatz für Klimaschutz notwendig

Allerdings kann das 2°C-Ziel des Pariser Klimaabkommens beim momentanen Temperaturanstieg von  3-4°C nicht erreicht werden. Wir drohen zu scheitern. Wir alle – Unternehmen und Privatpersonen – müssen mehr für Klimaschutz und Entwicklung tun.

Erfassen – Reduzieren – Kompensieren

Michael Möckel – geschäftsführender Gesellschafter der Wenzel Prager Bierstuben aus Dresden will nicht auf politische Lösungen warten. Er hat sein Unternehmen „Wenzels“ mit Hilfe eines Beraters auf „CO2-neutral“ umgestellt. Der „Wenzels“ betreibt Restaurants an sieben Standorten und beschäftigt ca. 120 Mitarbeiter.

CO2-neutrale Umstellung des Unternehmens in drei Schritten:
  1. Bestandsaufnahme: Wodurch verursachen wir wieviel CO2-Emission?
  2. Maßnahmenbündel:
    1. Mit welchen Maßnahmen können wir CO2-Emission verringern?  
    2. Wie und bis wann setzen wir diese um?
  3. Unterstützung: Welche Projekte unterstützen wir, die unserer Atmosphäre CO2 entziehen, um so unsere verbleibenden Emissionen zu kompensieren?
Schritt 1 – Bestandsaufnahme:

Zur Bestandsaufnahme werden nach dem Greenhouse Gas Protocol Corporate Standard (GHG Protocol) die Basisdaten eines Unternehmens erfasst und mit international anerkannten Emissionsfaktoren bewertet.

Das Ergebnis: Die CO2-Bilanz hat so für den Wenzels eine jährliche Emission von ca. 3.000 Tonnen ergeben. Das schließt die Arbeitswege der Mitarbeiter und die Emissionen, die durch die Produktion der verarbeiteten Lebensmittel wie z.B. Fleisch entstehen, mit ein.

Schritt 2 – Maßnahmen

Die Bilanz unter Schritt 1 berücksichtigt zudem bereits vom Wenzels umgesetzten Maßnahmen zur Reduktion der CO2-Emissionen wie

  • Bezug regionaler Lebensmittel
  • Konzentration auf Mehrwegflaschen
  • Energieeffizienz bei der Beleuchtung (Umstellung auf LED)
  • 100% Einsatz von Strom aus Erneuerbarer Energie
  • Reduzierung Wasserverbrauch (Spülmaschinen)
Schritt 3 – Unterstützung

Um die verbleibenden Emissionen zu kompensieren, hat der Wenzels freiwillig Verschmutzungsrechte in Form von Zertifikaten gekauft. Zertifikate dürfen international zertifizierte Projektbetreiber herausgeben, die mit ihren Maßnahmen zur Reduktion der CO2-Emissionen beitragen. Diese Projekte wie z.B. Erneuerbare Energie, Aufforstung, Holzsparende Kochstellen u.a.m. laufen vorwiegend in Entwicklungs- und Schwellenländern. Ca. 85% der Erlöse kommen den Projektbetreibern zugute und fördern auf diese Weise genau die Regionen und Menschen, die besonders vom Klimawandel betroffen sind.

Aufwand und Nutzen für ein mittelständisches Unternehmen

Der Aufwand zur Umstellung auf ein CO2-neutrales Unternehmen war für den “Wenzels” wie folgt:

  • Für die Zertifikate hat der Wenzels ca. 13.000,-€ ausgegeben.
  • Der interne Aufwand zur Ermittlung des CO2-Fußabdrucks des Wenzels hat sich dank des Beraters mit ca. zwei Personentagen in Grenzen gehalten. Der Berater stellte ca. 1.800 € in Rechnung.
Positive Resonanz bei der Belegschaft

„In der Belegschaft wurde unsere Initiative außerordentlich positiv aufgenommen“ resümiert Möckel. Er erhofft sich von seiner Initiative, dass auch seine Mitarbeiter umweltbewusster agieren und vielleicht sogar weniger wechselbereit sind.

Neupositionierung des Unternehmens

Nach dem Motto: „Tue Gutes und rede darüber“ wird Möckel den Wenzels als erste klimaneutrale Restaurant-Kette positionieren. Sein Ziel ist es, nun auch all seine Lieferanten dazu zu bewegen, es ihm gleich zu tun. Zu dem Vorwurf „Ablasshandel“ schmunzelt er nur und verweist darauf, dass er schließlich auch erhebliche Anstrengungen zur Vermeidung unternommen hat.

Da Michael Möckel Mitglied eines TAB-Unternehmerboards in Dresden ist, hat er sich vorgenommen, auch seine Unternehmer-Kollegen im Board zum Mitmachen zu bewegen. Mich als Moderator des Boards hat er jedenfalls schon überzeugt. Seit Januar 2019 ist nicht nur mein Unternehmen inkl. aller Veranstaltungen (Board-Meetings, Trainings) klimaneutral, sondern auch alle Aktivitäten unserer Familie.  

Weiterführende Links

Autoren: Michael Möckel, Dresden und Dr. Markus Schotters, TAB Dresden