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Wie Unternehmer das Wissen anderer für sich nutzen können

Das Bild des Unternehmers als „Lonesome Cowboy“, der als einziger alles weiß und den richtigen Weg kennt, hat längst ausgedient. Natürlich muss der Unternehmer weiterhin letztlich alleine die Entscheidungen treffen- schließlich geht es um sein Geld! Er ist in einer immer komplexer werdenden Welt allerdings auch gut beraten, wenn er immer wieder seine Sicht der Dinge und seine Entscheidungen hinterfragen lässt und durch externen Ratschlag absichert.

Es gibt viele Quellen und Möglichkeiten, externes Know How in die Prozesse einfließen zu lassen. Hier eine Auswahl der wahrscheinlich wichtigsten:

1. Expertenwissen einkaufen

1.1. „Mittlerinstitutionen“ (z.B. Kammern, Arbeitgeberverband, Wirtschaftsförderung) kontaktieren

Unternehmensberatung im klassischen Sinne gehört nicht zu den Leistungen dieser Institutionen, weil dieses schon aus Kapazitätsgründen nicht geleistet werden kann. Hier erfolgt in der Regel eine eher generalistische, kostenfreie Einstiegs-/Aufschlussberatung zur Klärung der Problemlage mit anschließendem Verweis an Spezialisten, i.d.R. Unternehmensberater, wobei konkrete Empfehlungen aus wettbewerbsrechtlichen Gründen häufig nicht erfolgen .

1.2. Unternehmensberater

Die vermutlich verbreitetste Methode ist der (meist punktuelle) Einkauf von Spezialisten. Hierzu gehören auch der in fast jedem Unternehmen benötigte Steuerberater, der häufig auch als Berater in über den Steuerfall hinausgehenden Problemstellungen fungiert. Über kurz oder lang wird auch (Fach)anwaltliche Unterstützung in jedem Unternehmen erforderlich sein.
Hier gilt übereinstimmend „Guter Rat ist teuer“. Tagessätze von 1200 € sind kein Einzelfall!

2. Potentiale von Mitarbeitern heben (Schwarmintelligenz)

Unter Schwarmintelligenz versteht man die „Weisheit der Vielen“, eine sich mehr oder weniger selbst organisierende kollektive Intelligenz, die jenseits von Administration und Bürokratie eine Vielfalt von innovativen Ideen hervorbringen kann. Hierbei hat sich die Vermutung durchgesetzt, dass eine Gruppe i.d.R. klüger ist als ihr klügstes Mitglied. Dieses lässt sich nicht 1:1 auf den Unternehmensalltag übertragen, aber es spricht aber auch vieles dafür, das heterogene Wissen der Mitarbeiter proaktiv für eigene Entscheidungsprozesse zu nutzen. Damit das funktioniert, müssen einige Bedingungen – gerade hinsichtlich der Unternehmenskultur -erfüllt werden:

  • Jedes Schwarmmitglied sollte jederzeit über alle notwendigen Informationen verfügen.
  • Es braucht Instrumente, mit deren Hilfe die “nutzwertigen” Ideen einzelner Schwarmmitglieder aufgegriffen, gesichert und bei Bedarf zügig umgesetzt werden.
  • Der „schwarmintelligente“ Mitarbeiter braucht ein Leittier, welches die grobe Richtung vorgibt, das „große Ganze“ im Blick behält und im Notfall konkrete Kommandos gibt.
  • Der Zugewinn einer inhomogenen Gruppe ergibt sich aus den unterschiedlichen Denkweisen ihrer Mitglieder. Am besten achtet man auf einen guten Mix aus langjährigen und neuen, aus jungen und alten sowie aus männlichen und weiblichen Mitarbeitern.
  • Die Menschen in einer Gruppe müssen auch das gemeinsame Ziel erreichen wollen. Sie müssen ein gemeinsames Interesse haben

Wer Mitarbeiter in Entscheidungsprozesse einbezieht, hat einen weiteren Vorteil:

Die Mitarbeitergeneration ab 1980 (Digital Natives) hat ein anderes Arbeits- und Problemlösungsverhalten als frühere Generationen. Interaktiver, schneller, teamorientierter. Ein Arbeitgeber, der gute Fachkräfte gewinnen und an sich binden will, muss dieses berücksichtigen, indem er einen entsprechenden Rahmen schafft.

3. Die Potentiale anderer Unternehmer heben

3.1. Brancheninterner Erfahrungsaustausch

Diese sog. “Erfa-Gruppen” sind häufig organisiert durch Branchenverbände und -Innungen, gelegentlich auch durch große (Vor)lieferanten. Hierbei ist häufig problematisch, dass aufgrund von Wettbewerbssituationen oder wirtschaftlichen Abhängigkeiten unter den Teilnehmern Vertrauen fehlt und bei echten Problemlagen kein offener Gedanken- und Erfahrungsaustausch möglich ist.

3.2. Beiräte

Ein Unternehmensbeirat ist ein Gremium, das Geschäftsleitung und/oder Gesellschafter eines Unternehmens unterstützt. Anders als bei gesetzlich vorgeschriebenen Kontrollgremien gibt es für den Unternehmensbeirat keine gesetzliche Normierung. Der Beirat dient als Gesprächs- und Diskussionspartner für die Geschäftsführung und die Gesellschafter. Fragestellungen der täglichen Unternehmenspraxis aber auch spezielle Themen werden diskutiert. Die Beratung des Beirats kann sich auf alle Unternehmensbereiche beziehen. Sie umfasst sowohl den operativen Bereich (etwa Investitionen, Personalfragen, Marketing) als auch den strategischen Bereich (etwa Nachfolgeplanung, langfristige Unternehmensausrichtung, neue Produkt-/Dienstleistungsfelder).
Beispielsweise sind im Kundenbeirat eine Gruppe ausgewählter Kunden vertreten, die dem Unternehmen Feedback geben und es aus Kundensicht beraten. Dieser Kundenbeirat macht stellvertretend für alle Kunden Vorschläge zu den Produkten bzw. Dienstleistungen des Unternehmens, kann aber auch Wandlungsprozesse im Unternehmen begleiten. Ein Kundenbeirat kann die bestehende Marktforschung und das Beschwerdemanagement ergänzen und erweitern und auch die Kundenorientierung eines Unternehmens positiv beeinflussen.
Neben Wissensgewinn und Entscheidungshilfe spielt hier auch die Signalwirkung in Richtung der Absatzmärkte eine wichtige Rolle.
Institutionelle Beiräte erfordern nicht unerhebliche Betreuung und Pflege und sind in der Regel aufgrund hoher interner und externer Kosten recht teuer.

3.3. Branchenübergreifender Erfahrungsaustausch und Beirat – z.B. TAB

Über die Besonderheiten von TAB ist an anderer Stelle genug geschrieben worden. Hier daher nur soviel, dass die die einzigartige Kombination aus regelmäßigen Treffen in branchenübergreifenden Unternehmerboards, Business-Coaching und Management-Tools die Vorteile der anderen Instrumente vereint und ihre spezifischen Nachteile vermeidet.

Autor: John Driver, TAB Lüneburg