Eine wichtige Entscheidung liegt auf dem Tisch und Sie haben die Zahlen geprüft, mit Ihrem Team gesprochen und wahrscheinlich selbst schon drei verschiedene Szenarien im Kopf durchgespielt. Trotzdem bleibt dieses eine Gefühl: Übersehe ich gerade etwas? An diesem Punkt kann der Austausch mit anderen Unternehmerinnen und Unternehmern den entscheidenden Unterschied machen, denn wer ein Unternehmen führt, braucht nicht immer noch mehr Informationen, manchmal braucht es Menschen, die die richtigen Fragen stellen.
Gute Unternehmer treffen nicht automatisch gute Entscheidungen
Je länger Sie ein Unternehmen führen, desto mehr Entscheidungen treffen Sie aus Erfahrung. Das ist grundsätzlich ein Vorteil, denn Sie kennen Ihre Kundschaft, Ihre Mitarbeitenden, Ihren Markt und haben wahrscheinlich schon Situationen gemeistert, bei denen andere längst das Handtuch geworfen hätten. Diese Erfahrung kann aber auch zum blinden Fleck werden.
Denn irgendwann schleichen sich Sätze ein wie: „Das haben wir schon immer so gemacht.“ Oder: „Ich kenne meine Branche.“ Vielleicht auch: „Das wird schon funktionieren.“
Und Hand aufs Herz: Wer widerspricht Ihnen eigentlich noch wirklich?
Mitarbeitende betrachten eine Entscheidung aus ihrer Rolle heraus, Führungskräfte haben eigene Verantwortungsbereiche, der Steuerberater schaut auf Zahlen, andere Berater auf ihr jeweiliges Fachgebiet. Familie und Freunde meinen es gut, kennen aber häufig nur einen Teil der Geschichte.
Was vielen Unternehmerinnen und Unternehmern fehlt, ist ein Gegenüber, das versteht, wie es sich anfühlt, selbst Entscheidungen treffen zu müssen, deren Konsequenzen am Ende bei einem selbst landen. Hier setzen Peer-Advisory-Boards an.
Praxisbeispiel: Ein Unternehmer überlegt, 300.000 Euro in eine neue Maschine zu investieren. Seine Gedanken kreisen vor allem um Finanzierung, Auslastung und Risiko. Im Peer-Advisory-Board stellt ein anderer Unternehmer eine Frage, die die Rechnung dreht: „Was kostet es Sie, wenn Sie nicht investieren?“ Plötzlich stehen auch Überstunden, Wartungskosten, abgelehnte Aufträge und längere Lieferzeiten auf dem Papier. Das ist oft der blinde Fleck bei Investitionen: Wir berechnen die Kosten einer Entscheidung, aber nicht die Kosten des Nichtstuns.
Was sind Peer-Advisory-Boards eigentlich?
Ein Peer-Advisory-Board bringt Unternehmerinnen und Unternehmer zusammen, die eines gemeinsam haben: Sie tragen Verantwortung für ein Unternehmen und kennen deshalb die Fragen, die sich von außen oft leichter beantworten lassen als von innen.
Dabei geht es nicht darum, dass beispielsweise zehn Menschen einem Unternehmer erklären, wie er sein Unternehmen zu führen hat. Ganz im Gegenteil: Es geht um vertrauliche Beratung und unternehmerischen Erfahrungsaustausch auf Augenhöhe. Einer bringt eine konkrete Herausforderung mit. Die anderen hören zu, fragen nach, teilen eigene Erfahrungen und zeigen Perspektiven auf, die im Tagesgeschäft leicht untergehen. Plötzlich wird aus einem vermeintlich einfachen Problem eine ganz andere Frage.
Praxisbeispiel: Der erste Standort läuft hervorragend, die passende Immobilie für Nummer zwei ist gefunden. Eigentlich spricht alles für Expansion. Bis im Board jemand fragt: „Was passiert am ersten Standort, wenn Sie dort vier Wochen nicht auftauchen?“ Die ehrliche Antwort: wahrscheinlich einiges. Wachstum funktioniert langfristig nur, wenn das bestehende Geschäft nicht dauerhaft vom Inhaber abhängt. Deshalb kann vor dem nächsten Standort eine andere Investition wichtiger sein: Führung aufbauen, Prozesse dokumentieren und Verantwortung verteilen.
Hätten Sie eröffnet oder erst das Fundament stabilisiert?
Warum strategische Unternehmensentscheidungen allein oft schwieriger werden
„Ich schlafe noch eine Nacht darüber.“ Den Satz kennen wahrscheinlich die meisten Unternehmerinnen und Unternehmer und manchmal hilft das tatsächlich. Bei großen strategischen Unternehmensentscheidungen können aus einer Nacht allerdings schnell mehrere Wochen werden.
- Investieren oder warten?
- Einen Standort eröffnen oder lieber konsolidieren?
- Einen Geschäftsführer einstellen?
- Einen Kunden kündigen?
- Eine neue Geschäftssparte aufbauen?
- Einen Mitarbeiter halten, obwohl die Leistung nicht mehr stimmt?
Je größer die Entscheidung, desto mehr hängt daran. Geld, Mitarbeitende, Zeit, Reputation und manchmal die Zukunft des gesamten Unternehmens. Das Problem ist dabei selten, dass Unternehmerinnen und Unternehmer zu wenig nachdenken. Häufig ist das Gegenteil der Fall, man dreht dieselben Argumente immer wieder im Kopf herum und kommt trotzdem keinen Schritt weiter. Irgendwann sieht man den Wald vor lauter Bäumen nicht mehr. Ein Peer-Advisory-Board bringt an diesem Punkt etwas hinein, das intern nur schwer herzustellen ist: Abstand.
Praxisbeispiel: Ein Unternehmer arbeitet regelmäßig 60 Stunden und entscheidet gefühlt alles selbst. Seine Lösung: Ein zweiter Geschäftsführer muss her. Doch im Board fragt jemand: „Welche Entscheidungen dürfte der Neue treffen, ohne vorher bei Ihnen anzurufen?“ Die Antwort: erstaunlich wenige. Damit liegt das eigentliche Problem auf dem Tisch. Eine zusätzliche Führungskraft schafft keine Entlastung, wenn Verantwortung weiterhin beim Inhaber hängen bleibt. Manchmal braucht es keine neue Stelle, vielmehr braucht es klarere Zuständigkeiten und den Mut, Entscheidungen tatsächlich abzugeben. Wo hätten Sie zuerst angesetzt?
Blinde Flecken erkennt man selten im eigenen Spiegel
Jede Unternehmerin und jeder Unternehmer hat sie, blinde Flecken. Das Schwierige daran steckt schon im Namen: Man sieht sie selbst nicht. Vielleicht halten Sie einen Mitarbeitenden für unverzichtbar, obwohl das restliche Team längst unter ihm leidet. Vielleicht investieren Sie seit Jahren in einen Geschäftsbereich, weil dort schon so viel Geld hineingeflossen ist. Vielleicht übernehmen Sie weiterhin Aufgaben selbst, weil Sie überzeugt sind, dass niemand sie so gut erledigen kann wie Sie. Von innen wirkt vieles logisch, was von außen sofort Fragen aufwirft.
Speziell aus diesem Grund ist Entscheidungsunterstützung für Unternehmerinnen und Unternehmer besonders wertvoll, wenn sie nicht von Menschen kommt, die Ihnen einfach nach dem Mund reden. Ein gutes Peer-Advisory-Board darf unbequem sein, weil ehrliche Fragen manchmal mehr bringen als schnelle Antworten.
Praxisbeispiel: Ein Geschäftsbereich gehört seit Jahrzehnten zum Unternehmen. Er bindet Mitarbeitende und Kapital, wirft aber kaum noch Gewinn ab. Trotzdem diskutiert die Geschäftsführung seit Monaten darüber, wie man ihn wieder auf Kurs bringen könnte. Im Board fragt jemand: „Warum muss dieser Geschäftsbereich überhaupt bleiben?“
Eine simple Frage, die intern niemand mehr stellt. Darin liegt ein typischer blinder Fleck: Je länger etwas zum Unternehmen gehört, desto seltener hinterfragen wir seine Existenzberechtigung.
Was läuft in Ihrem Unternehmen vielleicht nur noch weiter, weil es schon immer so war bzw.”historisch gewachsen” ist?
Wie Peer-Advisory-Boards Fehlentscheidungen vorbeugen können
Eine Fehlentscheidung erkennt man leider meistens erst hinterher. Die falsche Führungskraft eingestellt, zu früh expandiert, zu lange an einem unrentablen Produkt festgehalten, einen wichtigen Mitarbeiter ziehen lassen, eine Investition verschoben, bis der Wettbewerb längst vorbeigezogen ist. Natürlich kann auch ein Peer-Advisory-Board keine Fehlentscheidung mit hundertprozentiger Sicherheit verhindern. Unternehmertum bleibt Unternehmertum, niemand besitzt eine Glaskugel, aber der Austausch kann dafür sorgen, dass Entscheidungen gründlicher hinterfragt werden, bevor Geld, Zeit und Energie hineinfließen.
Der große Vorteil: In einer Runde erfahrener Unternehmerinnen und Unternehmer sitzt mit hoher Wahrscheinlichkeit jemand, der eine ähnliche Situation bereits erlebt hat. Vielleicht nicht in derselben Branche und nicht unter exakt denselben Voraussetzungen. Aber nah genug, um sagen zu können: „Diesen Weg bin ich schon gegangen. Darauf würde ich heute achten.“ Oft ist genau dieser Satz Gold wert.
Praxisbeispiel: Der erste Standort läuft hervorragend, die passende Immobilie für Nummer zwei ist gefunden, eigentlich spricht alles für Expansion, bis im Board jemand fragt: „Was passiert am ersten Standort, wenn Sie dort vier Wochen nicht auftauchen?“ Die ehrliche Antwort: wahrscheinlich einiges.
Wachstum funktioniert langfristig nur, wenn das bestehende Geschäft nicht dauerhaft vom Inhaber abhängt. Aus diesem Grund kann vor dem nächsten Standort eine andere Investition wichtiger sein: Führung aufbauen, Prozesse dokumentieren und Verantwortung verteilen.
Hätten Sie eröffnet, oder erst das Fundament stabilisiert?ondern strukturiertes Sparring auf Augenhöhe. Hier geht es nicht darum, sich gut zu fühlen. Sondern bessere Entscheidungen zu treffen.
Vertrauliche Beratung schafft Raum für die Fragen, die sonst keiner hört
Es gibt Fragen, die stellt man eben nicht beim Mittagessen den Mitarbeitenden.
- „Ich weiß nicht, ob mein Geschäftsführer noch der Richtige ist.“
- „Ich habe gerade keine Ahnung, wie wir weiterwachsen sollen.“
- „Wir machen zwar Umsatz, aber ich habe das Gefühl, dass mir das Unternehmen über den Kopf wächst.“
- Oder auch ganz simpel: „Ich weiß gerade wirklich nicht, was die richtige Entscheidung ist.“
An der Spitze eines Unternehmens kann es erstaunlich einsam werden, denn je größer die Verantwortung, desto kleiner wird häufig der Kreis der Menschen, mit denen man vollkommen offen sprechen kann. Aus diesem Grund ist Vertraulichkeit in Peer-Advisory-Boards keine nette Zusatzleistung, sie ist die Grundlage dafür, dass echter Austausch überhaupt möglich wird. Erst wenn niemand eine Rolle spielen muss, kommen die Themen auf den Tisch, um die es tatsächlich geht.
Praxisbeispiel: Ein Inhaber beschäftigt sich seit Monaten mit dem Gedanken, einen Teil seines Unternehmens zu verkaufen. Im eigenen Führungsteam möchte er das Thema noch nicht ansprechen, weil eine unausgereifte Idee unnötige Unruhe verursachen könnte. Im vertraulichen Board kann er verschiedene Szenarien durchdenken, Erfahrungen anderer Unternehmerinnen und Unternehmer hören und seine eigenen Beweggründe hinterfragen, bevor er entscheidet, ob und wie er das Thema intern weiterverfolgt.
Unternehmerischer Erfahrungsaustausch ersetzt keine Entscheidung, aber er verbessert ihre Grundlage
Am Ende gibt es einen Punkt, den kein Board, kein Berater und kein Mitarbeitende einem Unternehmer abnehmen kann: die Entscheidung selbst. Sie bleibt bei Ihnen. Das ist auch der Sinn eines Peer-Advisory-Boards. Möglicherweise bestätigt der Austausch genau das, was Sie ohnehin vorhatten, vielleicht kommt eine Möglichkeit auf den Tisch, an die Sie bisher überhaupt nicht gedacht haben. Oder eine einzige Frage sorgt dafür, dass Sie Ihre ursprüngliche Entscheidung noch einmal komplett überdenken. Das Ziel ist nicht, nach jedem Boardmeeting mit zehn neuen Meinungen nach Hause zu fahren. Das Ziel ist Klarheit.
Praxisbeispiel: Eine Unternehmerin schwankt seit Wochen zwischen zwei Bewerbern für eine Schlüsselposition. Beide bringen Erfahrung mit, beide passen fachlich und für beide gibt es gute Argumente. Im Board wird nicht darüber abgestimmt, wen sie einstellen soll. Stattdessen fragen die anderen: „Was muss diese Person in zwölf Monaten konkret verändert haben, damit Sie sagen: Die Einstellung war richtig?“ Auf einmal verschiebt sich die Diskussion von Lebensläufen und Sympathie hin zum tatsächlichen Unternehmensziel. Das macht die Entscheidung klarer.
Die teuerste Fehlentscheidung kann auch die sein, die Sie nicht treffen
Wenn über Fehlentscheidungen gesprochen wird, denken viele zuerst an eine Entscheidung, die sich im Nachhinein als falsch herausstellt. Dabei gibt es noch eine zweite Variante: Entscheidungen, die immer weiter vertagt werden.
- Die Investition, über die seit einem Jahr gesprochen wird.
- Das Mitarbeiterproblem, das jeder kennt, aber niemand anspricht.
- Die Nachfolge, die „irgendwann“ geregelt werden soll.
- Der Vertriebsprozess, der seit Monaten nicht funktioniert. Auch Nichtentscheiden hat Konsequenzen.
Manchmal kostet es deutlich mehr als eine Entscheidung, die nicht perfekt war. Peer-Advisory-Boards können deshalb nicht nur bei der Vermeidung von Fehlentscheidungen helfen, sie schaffen auch Verbindlichkeit. Wenn Sie eine Herausforderung offen aussprechen, konkrete nächste Schritte festlegen und beim nächsten Treffen wieder darüber sprechen, wird aus „Darum müsste ich mich eigentlich einmal kümmern“ sehr schnell eine Aufgabe mit Termin.
Praxisbeispiel: Die Kosten steigen, die Marge schrumpft, trotzdem schiebt eine Unternehmerin ihre Preiserhöhung immer wieder auf. Ihre Sorge: „Dann verlieren wir Kunden.“ Im Peer-Advisory-Board wird daraus eine konkrete Rechnung: Wie viele Kunden müssten tatsächlich gehen, damit die Preiserhöhung wirtschaftlich schlechter wäre als die aktuellen Preise?
Plötzlich wird aus einer diffusen Angst eine Zahl, mit der sich arbeiten lässt. Denn nicht jede unternehmerische Sorge verschwindet durch Nachdenken. Manche muss man schlicht einmal durchrechnen.
Gute Entscheidungen brauchen manchmal einen Tisch voller Unternehmer
Unternehmerinnen und Unternehmer müssen Entscheidungen treffen und das jeden Tag, manche sind in fünf Minuten erledigt, andere begleiten einen über Wochen und tauchen ausgerechnet dann wieder auf, wenn man nachts um drei eigentlich schlafen möchte. Bei diesen Entscheidungen kann es helfen, nicht noch länger allein im eigenen Kopf nach der perfekten Antwort zu suchen.
Ein Peer-Advisory-Board liefert keine fertigen Rezepte und nimmt Ihnen die Verantwortung nicht ab. Was es Ihnen geben kann, sind Erfahrungen, Perspektiven und Fragen von Menschen, die selbst wissen, was unternehmerische Verantwortung bedeutet. Möglicherweise ist es das, was bei Ihrer nächsten großen Entscheidung fehlt: nicht noch eine Meinung, sondern eine Perspektive, die Sie bisher nicht gesehen haben.
