Unternehmenswert berechnen – Kennzahlen, die essenziell sind

  • Unternehmenswert berechnen
Christian Koehler Entrepreneur und Business Coach
Seine Geschäftspartner schätzen ihn als belastbaren, innovativen, detailversessenen Macher, der immer einen stimmigen Plan und außergewöhnliche Lösungen parat hat.

Unabhängig davon, ob Sie Ihr Unternehmen verkaufen wollen oder allgemein Interesse daran haben, wie viel Ihr Unternehmen wert ist, dient der Unternehmenswert als erste Orientierungshilfe zur Bewertung Ihrer Firma. Bei der Berechnung stehen Ihnen diverse Verfahren zur Verfügung, auf die wir im Folgenden eingehen werden. In jedem Fall gilt es, sich als Geschäftsführer:in einige grundlegende Fragen zu stellen, damit am Ende eine reibungslose Übergabe gewährleistet ist. Erfahren Sie in diesem Artikel die wichtigsten Fakten zum Thema Unternehmenswert, um eine gute Basis sowie Vorbereitung auf die Unternehmensübergabe bzw. den Verkauf zu erhalten.

Wie setzt sich der Unternehmenswert zusammen?

Für den Verkauf eines Unternehmens muss ein Preis ermittelt werden. Dies ist leichter gesagt als getan. Zum einen unterscheiden sich die Vorstellungen vom Wert eines Unternehmens stark zwischen Verkäuferseite und Käuferseite. Zum anderen gibt es verschiedene Verfahren zur Unternehmensbewertung, auf die man als Unternehmer:in zurückgreifen kann. Aus diesem Grund ist der Unternehmenswert selbst keine gänzlich objektive Messgröße und hängt stets von einer Vielzahl von Faktoren ab.

Eine erste Unternehmensbewertung basiert auf essenziellen Kennzahlen und dient als wertvolle Orientierung bei einem Gespräch mit Expert:innen, die in dieser Angelegenheit beraten. Es hat sich bewährt, mehrere Verfahren zur Berechnung einzusetzen und die Ergebnisse anschließend miteinander zu vergleichen. Dadurch erhalten Sie auf jeden Fall einen guten ersten Eindruck, welchen Preis Ihr Unternehmen aktuell erzielen könnte.

Kurz gesagt: Der Unternehmenswert wird einem Geldwert gleichgesetzt, der mittels unterschiedlicher Verfahren festgelegt wurde. Aus dem Unternehmenswert kann schließlich ein Kaufpreis abgeleitet werden, welcher der Käufer bzw. die Käuferin tatsächlich bereit ist zu zahlen.

Welche Fragen muss man sich stellen, um den Unternehmenswert zu berechnen?

Bevor Sie mit der eigentlichen Berechnung beginnen, empfehlen wir, sich grundlegende Fragen zum eigenen Unternehmen zu stellen. Die Themen sollten im nächsten Schritt mit einem professionellen Berater bzw. Beraterin besprochen werden, ehe überhaupt ein Kaufpreis kommuniziert wird. Zudem ist diese Reflexion wichtig, um sich auf künftige Verhandlungen vorzubereiten und Antworten auf die relevanten Fragen geben zu können.

Wo sehen Sie Ihr Unternehmen in der Zukunft?

Die strategische Aufstellung Ihres Unternehmens ist einer der wichtigsten Erfolgsfaktoren. Schließlich möchten Sie als Unternehmer:in für Wachstum und möglicherweise sogar Expansion sorgen. Überlegen Sie also, wo Sie die Zukunft Ihres Unternehmens sehen und welche Potenziale noch gehoben werden, aber auch welche Risiken erwartet werden können.

Welche Produkte und Dienstleistungen bieten Sie an?

Selbstverständlich wissen Sie, warum Ihr Unternehmen existiert, welche Leistungen Sie anbieten und wie Ihr Angebot definiert wird. Aber betrachten Sie die Thematik einmal aus Sicht einer fremden Person. Rufen Sie sich möglicherweise Ihre Mission wieder ins Gedächtnis und WARUM Sie Ihr Unternehmen einst gegründet haben.

Welche Erfolge wurden in der Vergangenheit erzielt?

Worauf sind Sie als Unternehmer:in eigentlich besonders stolz? Welche Ziele haben Sie mit Ihrem Unternehmen bereits erreicht, die Sie nach außen nie kommuniziert haben? Lassen Sie Revue passieren und erinnern Sie sich einmal mehr an die Erfolge der letzten Jahre bzw. Jahrzehnte.

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Marktwert & Sachwert

Marktwert und Sachwert sind zwei mögliche Verfahren zur Unternehmensbewertung, die in der Praxis Anwendung finden. Was unterscheidet die beiden Begriffe und Vorgehensweisen?  

Der Marktwert

Der Marktwert ist der am Markt erzielbare Erlös und kann sich im Fall der Auflösung bzw. Liquidation des Unternehmens aus den sog. Zerschlagungswerten ergeben. Wird das Unternehmen jedoch nach dem Verkauf fortgeführt, so wird der Marktwert aus dem Ertragswert oder dem Sachwert abgeleitet.

Der Sachwert

Wenn man von der Klassifizierung anhand des Sachwerts oder des Substanzwerts spricht, ist damit gemeint, wie viel Kapital notwendig wäre, um das bestehende Unternehmen in seiner aktuellen Form nochmals aufzustellen.

Der Sachwert – auch Liquidationswert – beschreibt die Summe der Verkaufserlöse für alle materiellen Anlagegüter: vom Schreibtisch, über Produktionsanlagen bis hin zu Autos oder Bildern. Der Sachwert enthält nicht den Wert der immateriellen Güter wie z.B. den „Good Will“: Kundenbeziehungen oder Firmen-Know-How.

Ertragswertverfahren

Bei dem Ertragsverfahren im Rahmen der Unternehmensbewertung werden nicht nur vergangene Ergebnisse, sondern branchenspezifische Risiken berücksichtigt. Oftmals wird hier das sog. „Stuttgarter Verfahren“ zugrunde gelegt.

Schließlich wird der Betrag mit einem Faktor multipliziert, der von vielen Faktoren abhängt – wie beispielsweise Branche, Stabilität des Unternehmens, Mitarbeiter-Struktur, Auftragsstruktur (Langzeit-Aufträge vs. Kurz-Projekte).

Vereinfachtes Ertragswertverfahren

Diese Methode wird vom Finanzamt genutzt, um beispielsweise die Erbschaftssteuer zu berechnen. Der durchschnittliche Ertrag eines Unternehmens in den letzten drei Jahren wird mit einem bestimmten Faktor multipliziert, welcher vom Bundesfinanzministerium festgelegt wird.

AWH-Verfahren

Dieses Verfahren geht auf den Arbeitskreis der wertermittelnden Berater im Handwerk zurück. Damit erfolgt konkret die Unternehmensbewertung von Handwerksbetrieben.

Folgende Aspekte fließen in die Berechnung ein:

  • Höhe des Anlagevermögens
  • Grad der Abhängigkeit vom Firmenchef
  • Struktur der Mitarbeiter:innen
  • Kundenstruktur
  • Lieferantenstruktur

Weitere wichtige Faktoren für den Unternehmenswert

Nicht nur materielle Gegenstände und Zahlen haben Einfluss auf den Wert eines Unternehmens. Auch strategische Entscheidungen, Innovationsfähigkeit oder andere immaterielle Assets entscheiden schlussendlich darüber, welcher Preis für die Firma erzielt werden kann. Erfahren Sie nachfolgend einige wichtige Faktoren, welche den Unternehmenswert beeinflussen.

1. Das Alleinstellungsmerkmal (USP)

Um als Unternehmen wirklich erfolgreich zu sein, ist es nicht mehr ausreichend, ein gutes Produkt anzubieten. Über das Alleinstellungsmerkmal bzw. den sogenannten USP (Unique Selling Proposition) kommunizieren Sie die Einzigartigkeit Ihres gesamten Unternehmens und in weiterer Folge einen Mehrwert, warum Kund:innen sich für Ihre Leistung entscheiden sollten. Dies hat ultimativ Einfluss auf Ihren Firmenwert, unabhängig davon, ob es sich hierbei um einen materiellen (z.B. technologischen Vorsprung) oder immateriellen Vorteil handelt.

2. Die Positionierung am Markt

Unter Positionierung versteht man die klare Stellung, die man als Unternehmen im Wettbewerb einnimmt. Die Positionierung kann über unterschiedliche Merkmale, wie z.B. die Preisstrategie erfolgen. Dieser Aspekt ist vor allem wichtig in Hinblick auf Ihre Zielgruppe und wie Sie am Markt wahrgenommen werden möchte.

3. Das Marktpotenzial

Wie bewerten Sie Ihr Fortbestehen und Wachstum im Wettbewerb? Gibt es Potenzial, das noch nicht ausgeschöpft wurde oder erreicht Ihr Unternehmen bald den Zenit? Beurteilen Sie Ihr Marktpotenzial auch anhand des maximal erzielbaren Umsatzvolumen realistisch.

4. Die Art der Geschäftsführung

Für die Käuferseite ist in erster Linie wichtig, dass das Unternehmen bei einem Führungswechsel problemlos weiter funktioniert. Zeit ist bekanntlich Geld. Je genauer Prozesse und Abläufe definiert wurden, desto selbstständiger arbeiten die unterschiedlichen Bereiche und garantieren somit für zufriedenstellende Ergebnisse.

5. Der Kundenstamm

Sie verfügen über einen beeindruckenden Kundenstamm, der Ihren Unternehmenserfolg maßgeblich beeinflusst? Dies legt eine solide Basis für das weitere Wachstum des Unternehmens und steigert zudem dessen Wert.

FAQs: Die wichtigen Fragen zum Schluss

In diesem Abschnitt geben wir Antworten auf häufig gestellte Fragen, damit Sie im Gespräch mit Berater:innen bestens vorbereitet sind.

Wie unterscheiden sich Unternehmenswert und Preis eines Unternehmens?

Durch die Bewertung Ihres Unternehmens anhand verschiedener Berechnungsverfahren erhalten Sie schließlich den Unternehmenswert. Dieser gilt es als erste Grundlage für Verhandlungen zum tatsächlichen Verkaufspreis, sollte aber in jedem Fall von erfahrenen und kompetenten Expert:innen ermittelt werden. Der Preis, welcher letztlich erzielt wird, kann sich durchaus vom Unternehmenswert unterscheiden.

Wann sind Unternehmenswert und Preis eines Unternehmens identisch?

Wenn ein Käufer bzw., eine Käuferin bereit ist, den Unternehmenswert, welcher durch das passende Bewertungsverfahrens ermittelt wurde, mit der entsprechenden Geldsumme zu zahlen, dann stimmen Unternehmenswert und Preis eines Unternehmens überein. Hier sollten unbedingt fachkundige Expert:innen zu Rate gezogen werden.

Wie wird der Prozess zur Ermittlung des Unternehmenswertes genannt?

Der Begriff „Unternehmensbewertung“ beschreibt die Ermittlung eines Unternehmenswerts durch bestimmte Verfahren.

Fazit

Der Unternehmenswert ist eine entscheidende Kennzahl, unabhängig davon, ob Sie die konkrete Absicht eines Unternehmensverkaufs verfolgen oder bereits für die Zukunft planen. Jeder, der ein Unternehmen führt, sollte seinen potenziellen Ausstieg in seiner Unternehmensstrategie verankern.

„Die Sicherung der Nachfolge ist die größte unternehmerische Leistung“ – so Reinhard Mohn, Gründer der Bertelsmannstiftung und bekannter Unternehmer. Im Austausch mit vielen Unternehnmer:innen stellt sich immer wieder heraus, dass die Unternehmensübergabe nicht selten eine unterschätzte Challenge ist. Eine gute und rechtzeitige Vorbereitung ist hier unabdingbar.

In den TAB Unternehmer-Boards steht das Thema Unternehmensübergabe häufig auf der Agenda. Unternehmer:innen aus den verschiedensten Branchen kommen zusammen an einen Tisch, um ihre Herausforderungen und Fragestellungen in einer sicheren und vertraulichen Umgebung zu besprechen. Den frischen Input nutzen sie, um kontinuierlich am Wachstum ihrer Unternehmen zu arbeiten und neue Perspektiven kennenzulernen.

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