Tipps für Krisenmanagement: Unternehmenskrise erfolgreich meistern

  • Unternehmenskrise
Christian Koehler Entrepreneur 500x500 1
Seine Geschäftspartner schätzen ihn als belastbaren, innovativen, detailversessenen Macher, der immer einen stimmigen Plan und außergewöhnliche Lösungen parat hat.

Führungskräfte weltweit sind sich einig: Krisen gehören nun einmal zum Unternehmertum dazu. In den letzten beiden Jahren war es vor allem die Corona-Pandemie, die Unternehmer:innen in vielerlei Hinsicht einen Strich durch die Rechnung gemacht hat. Aber auch strategische Krisen oder Liquiditätskrisen können vor unbekannte Problematiken stellen. Was die Spreu vom Weizen trennt, ist ein solides Krisenmanagement, um an dieser Herausforderung nicht zu scheitern. Im Idealfall sollten Führungskräfte aus einer erfolgreich gemeisterten Unternehmenskrise gestärkt hervorgehen.

In diesem Beitrag erfahren Sie alles Wissenswerte zum Thema Unternehmenskrise und Krisenmanagement, damit Sie wissen, worauf es im Worst Case ankommt. Welche Gründe und Ursachen gibt es für Krisen? Welche Arten von Krise gilt es zu bewältigen? Was ist überhaupt Krisenmanagement? Holen Sie sich das Know-how der Profis mit jeder Menge praktischen Tipps und wertvollen Insights!

Ursachen und Gründe für Unternehmenskrisen

In den meisten Fällen sind Unternehmer:innen mit einer Art Krisenplan schon sehr gut auf potenzielle Herausforderungen vorbereitet. Um sich einstellen zu können, müssen aber mögliche Ursachen und Gründe für Unternehmenskrisen bekannt sein. 

Typische Ursachen für Krisen

Krise ist nicht gleich Krise. Jede Notsituation charakterisiert sich durch bestimmte Problemstellungen und somit auch Ursachen, welche wiederum unterschiedliche Auswirkungen im Unternehmen haben.

Grundsätzlich kann man zwischen Unternehmenskrisen unterscheiden, die einen internen Ursprung haben und jenen, die durch externe Einflüsse hervorgerufen wurden. 

Krisen-Auslöser  im Unternehmen können sein…

  • Personalmangel durch Unfälle oder Erkrankungen (langfristiger Ausfall)
  • Unangepasste Strategien / Mangel an Innovationskraft
  • Falsche Einschätzung der Marktentwicklung
  • Unzureichendes Finanzmanagement
  • Mängel hinsichtlich Organisation, Planung und Kommunikation im Unternehmen

Externe Krisen-Auslöser können sein…

  • Digitalisierungsbedingte Veränderungen des Marktes / neue Technologien
  • Gesetzesänderungen / politische Entscheidungen
  • Produktionsschwierigkeiten aufgrund von Rohstoffmangel / verzögerte Lieferungen
  • Starker Wettbewerb
  • Pandemien / Kriege

Warnsignale

Die frühe Identifizierung einer Krise aufgrund von Warnsignalen kann Ihnen einen wertvollen Vorteil verschaffen. Achten Sie daher auf folgende Anzeichen:

  • Sinkende Umsatzzahlen
  • Forderungsausfälle
  • Steigende Kundenunzufriedenheit (Kundenbeschwerden häufen sich)
  • Schrumpfende Liquiditätsreserven
  • Sinkende Marktanteile
  • Sinkende Produktivität im Unternehmen
  • Häufige interne Kommunikationsmissverständnisse
  • Verzögerungen in der Produktion
  • Verlust von Stammkund:innen

Krisenvorsorge

Frühzeitige Vorsorge ist notwendig, um ein schnelles Voranschreiten der Krise zu unterbinden. Je tiefer sich die Krise im Unternehmen ausgebreitet hat, desto schwieriger gestalten sich die Gegenmaßnahmen. Auch werden dadurch zahlreiche Baustellen aufgerissen, die eine Reihe an negativen Auswirkungen auf unterschiedliche Unternehmensbereiche haben. Ignorieren Sie frühe Warnsignale daher unter keinen Umständen. 

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Phasen der Unternehmenskrise

Da eine Unternehmenskrise in der Regel nicht über Nacht entsteht, können mehrere Phasen definiert werden. Im schlimmsten Fall führt eine Unternehmenskrise zur Insolvenz, wenn Warnsignale fortwährend außer Acht gelassen und keine Maßnahmen gesetzt werden. 

Im Folgenden erläutern wir die drei prägnantesten Phasen der Unternehmenskrise.

Strategische Krise

Die erste Phase der Unternehmenskrise wird auch als strategische Krise bezeichnet. Sie äußert sich nicht in finanziellen Auswirkungen und wird daher oftmals nicht gleich erkannt. Häufig zählen mangelnde Innovations- und Anpassungskraft sowie veraltete Prozesse und Strategien zu den Auslösern.

Wenn neue Vertriebswege abgelehnt und keine Investitionen in neue Technologien und Produktentwicklungen getätigt werden, riskieren Unternehmen, nicht am Puls der Zeit zu bleiben.

Veraltete Strategien, die sich neuen Markt- und Wettbewerbssituationen nicht anpassen, stellen ein Todesurteil für Unternehmen dar. Die ersten Folgen sind ein Rückgang der Marktanteile aufgrund erster Verluste wertvoller Kund:innen.

Ertrags- bzw. Erfolgskrise

In der zweiten Phase macht sich die Unternehmenskrise schon bemerkbarer. Die schwache Position im Vergleich zur Konkurrenz zeichnet sich deutlich im Unternehmenserfolg ab. Während Stammkund:innen vermehrt zur Konkurrenz abwandern, gestaltet sich auch die Neukundengewinnung immer schwieriger. Die Folge sind Bilanzverluste, Auflösung von Rücklagen und sinkende Umsatzzahlen. Die Ertrags- und Erfolgskrise kann urplötzlich zur ernsthaften Existenzkrise werden.

Liquiditätskrise

Bei dauerhaft ausbleibenden Gewinnen rückt das Unternehmen Stück für Stück in Richtung Liquiditätskrise. Ist dieser Punkt erst erreicht, wird die 180 Grad Wende zur scheinbar unmöglichen Aufgabe. Kund:innen und Geschäftspartner:innen bleiben diese zahlreichen Probleme nicht verborgen, weshalb sie weiter zur Konkurrenz abwandern. Es entsteht ein regelrechter Teufelskreis durch versäumte Zahlungsziele und Schwierigkeiten bei der Beschaffung von Kapital. Letztlich muss das Unternehmen im schlimmsten Fall Insolvenz anmelden.

Was ist Krisenmanagement?

Damit das Worst Case Szenario gar nicht erst eintritt, müssen mit Krisenmanagement die richtigen Schritte gesetzt werden. Eine Unternehmenskrise zu meistern bedeutet, die Performance durch systematische Vorgehensweise, einen konkreten Plan sowie phasenspezifische Maßnahmen wieder auf Kurs zu bringen. 

Krisenmanagement meint vor allem  den systematischen Umgang mit Krisensituationen. Die Tätigkeiten umfassen die Führung (Planung, Steuerung und Kontrolle) zur Vorsorge, Vermeidung und Bewältigung überlebenskritischer Sachlagen in Unternehmen.

Prozess des Krisenmanagements

Der Prozess des Krisenmanagements kann allgemein in 5 Schritten festgehalten werden.

  1. Krise akzeptieren

Eine Krise erscheint auf den ersten Blick oftmals als Fluch, kann sich aber (in manchen Situationen) auch als Segen herausstellen. Technologischer Fortschritt, verändertes Konsumentenverhalten und neue Trends können für die nötige Innovation im Unternehmen sorgen. Möglicherweise bedienen Sie dadurch neue Märkte, erreichen neue Kund:innen und fördern Unternehmenswachstum.

Sehen Sie Herausforderungen, wenn möglich, immer als Chance für die Zukunft.

  1. Krisenplan erstellen

Vorbereitung ist auch hier die halbe Miete. Ein solider Krisenplan sorgt dafür, dass bereits Lösungsmöglichkeiten und Maßnahmen bestehen, bevor diese Anwendung finden.

  • Wie kann ein Ausweg aus der Krise aussehen?
  • Welche Aktionspläne sollen festgelegt werden?
  • Welche Checklisten müssen erstellt werden?
  1. Team informieren

Je nach Art der Krise sollte auch das Team informiert werden. Müssen  in der Produktentwicklung neue Wege gegangen werden, dann müssen die Verantwortlichen selbstverständlich mit an Bord geholt werden. In den meisten Fällen sind unterschiedliche Abteilungen involviert, sodass alle betroffenen Mitarbeiter:innen Bescheid wissen müssen.

  1. Unternehmenskrise erfolgreich meistern

Die richtige Kommunikation ist das A und O im Umgang mit überlebenskritischen Situationen. Achten Sie darauf, möglichst positive Formulierungen zu nutzen. Geben Sie Ihren Mitarbeiter:innen konkrete Pläne und Prozesse an die Hand, damit das Unternehmen gemeinsam an der Bewältigung der Krise arbeiten kann.

Ist die Unternehmenskrise überwunden, haben Sie auch einen großen Erfolg als Führungskraft verbucht.

  1. Reflektieren

Die Reflexion ist ein wesentlicher Teil der Unternehmenskrise. Verschaffen Sie sich einen Überblick über Gelerntes sowie auch die gemachten Fehler.

Was können Sie für die Zukunft mitnehmen? Werfen Sie ebenso einen Blick auf die nächsten Jahre. Möglicherweise lassen sich im Zuge der Krisenprävention bereits jetzt Maßnahmen für potenzielle Gefahren aufstellen.

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Tipps & Maßnahmen des finanziellen Krisenmanagements

Welche Maßnahmen können Sie nun gegen eine finanzielle Unternehmenskrise ergreifen? Lassen Sie sich von unseren Experten-Tipps für Ihr Krisenmanagement inspirieren.

Kosten senken

Wenn Sie merken, dass sich die Einnahmen in eine kritische Richtung entwickeln, müssen Maßnahmen gesetzt werden, um die Kosten zu senken. Damit bleiben Sie fürs Erste weiterhin zahlungsfähig und müssen kein Fremdkapital aufnehmen.

Mitarbeiter:innen zu kündigen, sollte der letzte Ausweg sein. Bevor Sie sich also dem Thema Personalkosten widmen, versuchen Sie vorerst z.B. bei Lieferanten bessere Deals zu erhalten. Beispielsweise wären verbesserte Konditionen im Einkauf interessant. Vielleicht müssen Sie den Partner wechseln, um eine Kostenreduktion zu erzielen.

Eine weitere Möglichkeit ist es, Kosten an Ihre Kund:innen weiterzugeben. Sollten Sie keine Reduktionen im Unternehmen vornehmen können, bleibt noch die Option der Preiserhöhung. Überlegen Sie sich auch diesen Schritt genau. Wägen Sie ab, ob die Abwanderung von Kund:innen diese Strategie wert ist. Am Ende sollte ein lukratives Ergebnis für Sie entstehen.

Erfolgreiches Forderungsmanagement

Eine Krise kann zudem auftreten, wenn Zahlungen nicht im gewünschten Rahmen eingehen. Nehmen wir an, Ihr operatives Geschäft floriert. Da  Kund:innen jedoch spät bezahlen, Sie Projekte vorfinanzieren müssen und somit das Forderungsmanagement nicht effizient funktioniert, geraten Sie in Liquiditätsschwierigkeiten.

Der erste Tipp hierfür lautet: Schicken Sie Rechnungen rechtzeitig an Ihre Kundschaft. Nutzen Sie auch die Möglichkeit, die ein Skonto bietet. Verzögerungen im Rechnungsverkehr beider Parteien führt nur zu unnötigem Zeitverlust, der gravierende Auswirkungen auf Ihre Tätigkeiten haben kann.

Haben Sie keine Angst vor gutem Forderungsmanagement. Wenn eine Zahlung nach einiger Zeit noch nicht eingegangen ist, dann ist Beharrlichkeit gefragt. Schreiben Sie Zahlungserinnerungen und telefonieren Sie in regelmäßigen Abständen mit dem Kunden oder der Kundin. Im letzten Schritt sollten Sie eine Mahnung als rechtliche Maßnahme verschicken.

Tipps zum Liquiditätsmanagement

  • Falls es eine aktuelle finanzielle Notsituation zu überbrücken gilt (z.B. Pandemie), können Sie sich an Kapitalgeber wenden (Förderungen, Kredit etc.).
  • Verkaufen Sie materielle Güter aus Ihrem Unternehmen, um liquide zu bleiben.
  • Erkundigen Sie sich, ob ein verlängertes Zahlungsziel für die Steuerzahlungen möglich ist.
  • Investieren Sie in neue Projekte, um für die Zukunft vorzusorgen. Das mag vielleicht im ersten Moment paradox klingen, damit schaffen Sie sich jedoch einen Polster für später.

Fazit

Eine Unternehmenskrise zu meistern, erfordert viel Denkarbeit, den Mut, neue Prozesse zu etablieren und nicht allzu selten den Perspektivenwechsel als Unternehmer:in. Das Wichtigste dabei ist, das große Ganze niemals aus den Augen zu verlieren und darauf zu achten, dass alle Abteilungen und Mitarbeiter:innen an einem Strang ziehen. Die erste große Krise ist ein zentrales Ereignis im Leben einer Führungskraft. Verlieren Sie nicht den Mut, sondern schöpfen Sie das volle Potenzial Ihres Unternehmens aus, das Sie vielleicht sogar mit eigenen Händen aufgebaut haben.

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